

Hierarchische Matrizen
von Wolfgang Hackbusch
Teil II
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Vollbesetzte Gleichungssysteme
Im Falle eines n-dimensionalen Gleichungssystems Ax=b, d.h.
für
haben die Vektoren x,b je n Komponenten, während die Matrix A im Prinzip durch
Daten beschrieben wird. Glücklicherweise liefern die üblichen Diskretisierungsverfahren partieller Differentialgleichungen sogenannte schwachbesetzte Matrizen A, d.h. die meisten Matrixeinträge sind Nullen und die Zahl der Nichtnullelemente ist proportional zu n. Insbesondere ist dann die Matrix-Vektor-Multiplikation
von linearer Komplexität, die Grundlage verschiedenster Iterationsverfahren ist.
Anders stellt sich die Situation bei vollbesetzten Matrizen dar. Da die Lösung x von Ax=b von den
Matrixeinträgen abhängt, kann eine exakte Auflösung keinen geringeren Rechenaufwand als
benötigen, wobei für den allgemeinen Fall nicht einmal ein Lösungsalgorithmus mit quadratischer Komplexität bekannt ist.
Vollbesetzte Matrizen treten unter anderem bei der Diskretisierung von Integralgleichungen auf, die in speziellen Fällen eine äquivalente Umformulierung partieller Differentialgleichungen darstellen (während die Differentialgleichung über einen möglicherweise unbeschränkten dreidimensionalen Bereich erstreckt, bezieht sich die Integralgleichung nur auf die Oberfläche dieses Bereiches). Die unter dem Namen Randelementmethode (englische Abkürzung: BEM) bekannte Diskretisierungsmethode kann nur konkurrenzfähig sein, wenn der Aufwand
auf lineare Komplexität
reduziert wird.
Auch wenn die Matrix A schwachbesetzt ist, entsteht eine vollbesetzte Matrix, wenn man zur Inverse von A (oder einer Hauptuntermatrix von A wie bei Schur-Komplementen) übergeht. Diese Tatsache hat dazu geführt, daß man bei der Gestaltung von Algorithmen die Invertierung strikt umgeht und im wesentlichen nur die Matrix-Vektor-Multiplikation einsetzt.
Approximation vollbesetzter Matrizen
Die gewünschte lineare Komplexität
ist so nicht erreichbar, da wie ausgeführt
nicht unterschritten werden kann. Dies bezieht sich aber auf die Bestimmung der exakten Lösung. Da das Gleichungssystem Ax=b kein Selbstzweck ist, sondern x nur die Approximation einer anderen Lösung darstellt, ist es akzeptabel, A durch eine benachbarte Matrix
zu ersetzen. Damit stellt sich die Frage, ob man in hinreichender Nähe von A ein
findet, so daß sich
genügend genau lösen läßt (d.h.
für gegebenes
und nur linearen Rechenaufwand erfordert.
Im folgenden wird eine neue Lösungsmethode skizziert, die nicht nur die Gleichungslösung betrifft, sondern die gesamte Matrix-Arithmetik in fast linearer Komplexität ermöglicht. Mit ``fast linear'' ist gemeint, daß
für ein
was in der Praxis der linearen Komplexität gleichkommt. Zu der Matrix-Arithmetik gehört die Matrix-Vektor-Multiplikation Ax (üblicher Rechenaufwand
), die Addition A +B (üblich:
), die Multiplikation
(üblich:
) und die Invertierung
(üblich:
). Ferner muß die Ersatzmatrix mit fast linearem Speicheraufwand repräsentierbar sein (üblich:
).
Der Anwendungsbereich der nachfolgenden Methode sind vollbesetzte Matrizen, die zu geeigneten Integraloperatoren oder Inversen von Differentialoperatoren gehören. Ein Beispiel eines typischen Integraloperators ist
mit dem Coulomb-Kern
wobei der Integrationsbereich
beispielsweise die Oberfläche eines 3D-Gebietes ist. Da k(x,y) bei x=y singulär ist, ist bei der Matrixapproximation in der Diagonalnähe vorsichtiger anzunähern als weit entfernt von der Diagonalen.
Inhalt
- Teil 1
- Aktueller Forschungsschwerpunkt Wissenschaftliches Rechnen
- Großskalige Aufgaben
- Lineare Komplexität
- Teil 2
- Vollbesetzte Gleichungssysteme
- Approximation vollbesetzter Matrizen
- Teil 3
- Hierarchische Matrizen
- Ausblick
Kontakt
Prof. Dr. Wolfgang Hackbusch
Max-Planck Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Inselstrasse 22
04103 Leipzig
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