Proceeding 1/2001

Faszination und Perspektiven von Bildern in der Medizin und in den Naturwissenschaften

Editors: Tilman Butz and Eberhard Zeidler

Großbothen, 27.1. - 28.1.2001
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Submission date: 30. Mar. 2001
Pages: 75
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Abstract:
Dieses Zeitalter wird häufig als Informationszeitalter bezeichnet; man könnte es auch das Zeitalter der Bilder nennen. Etwas provokativ könnte man sagen: im gleichen Maße, wie die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben abnimmt, steigt die Sucht nach Bildern. Die heutigen Möglichkeiten der Bilderzeugung sind in der Tat faszinierend. Im Bereich der Wissenschaften gibt es Abbilder ("Fotos") aus dem Bereich der Makroskopie, z. B. unsere Erde aus der Sicht des Mondes, und der Mikroskopie, z.B. das "Fühlen" einzelner Atome mit atomar feinen Spitzen. Es gibt Cartoons, die aus den Biowissenschaften gar nicht mehr wegzudenken sind. Es gibt "Parameterlandschaften" wie z.B. das berühmte Apfelmännchen von B. Mandelbrot. In der Medizin gibt es Verfahren, die den Menschen "durchsichtig" machen, und zwar morphologisch wie funktionell.
Der Dokumentencharakter des klassischen Fotos ist längst verlorengegangen (vgl. die Ausstellung "Bilder die lügen", Leipzig 2000). Wo ist die "Bildkritik", das Pendant zur "Textkritik". Wie können Bilder verifiziert werden? Wie kann man dreidimensionale Bilder visualisieren? Was sind die Möglichkeiten und Grenzen der Bildbearbeitung? Sollte – oder muß man – in Zukunft die Bildauswertung lieber intelligenten Programmen überlassen als dem menschlichen Auge? Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt von Fragen, denen wir uns bei der wissenschaftlichen Bildgebung stellen müssen.
Da sich in Leipzig an der Universität, den Max-Planck-Instituten und anderen außeruniversitären Einrichtungen ein erhebliches Potential an unkonventionellen bildgebenden Verfahren in den Bereichen der Naturwissenschaften und der Medizin angesammelt hat und die Mathematik dabei eine zunehmend größere Rolle spielt und in Leipzig ebenfalls stark vertreten ist, war die Zeit reif für einen Workshop mit dem Arbeitstitel "Nichtkonventionelle bildgebende Verfahren: von den Rohdaten zum Bild", der am 27.- 28.1.2001 in der Ostwald-Gedenkstätte in Großbothen stattfand und gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften und der Universität Leipzig organisiert wurde. Der urspüngliche Arbeitstitel stellte sich bald als zu eng heraus. Unter den aktuellen Vorschlägen für einen neuen Arbeitstitel wurde unter anderem diskutiert: "Faszination und Perspektiven von Bildern in der Medizin und in den Naturwissenschaften". Die Zusammenführung von Vertretern der verschiedensten Disziplinen mit verschiedensten Verfahren war eine Herausforderung, die sich nach Einschätzung der Teilnehmer gelohnt hat. Diese Workshop-Materialsammlung soll dazu beitragen, daß aus der anfänglichen Euphorie heraus durch Aufzeigen von Gemeinsamkeiten intensivere Kooperationen erwachsen, die letztlich in einen größeren Forschungsverbund münden.

11.02.2013, 16:02