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Pressemeldung 3/2004

Von Pflanzen, Tieren, Viren und Sprachen - internationaler Workshop klärt Fragen der Evolution

Leipzig, 24. 5. 2004: Ein internationaler Workshop über molekulare Evolution findet vom 24. bis 29. Mai 2004 in Leipzig statt. Die gemeinsame Veranstaltung des Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI) mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik (IZBI) vereint für eine Woche Wissenschaftler aus aller Welt.

Das Max-Planck-Institut (MPI) für Mathematik in den Naturwissenschaften ist ab heute Gastgeber eines internationalen Workshops zum Thema „Molekulare Evolution“. Die gemeinsam mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik (IZBI) organisierte Veranstaltung vereint bis Freitag Mathematiker und Biologen aus den USA, Frankreich, England, Neuseeland, Schweden, Österreich, Ungarn, Slovenien und Deutschland. Das MPI erwartet auch den Vater der Theorie der molekularen Evolution, Prof. Walter M. Fitch von der University of California in Irvine, USA. Walter Fitch publizierte 1967 den ersten ausschließlich auf molekularen Daten basierenden „Baum des Lebens“.

Das zentrale Thema des Workshops ist die Ermittlung stammesgeschichtlicher Verwandschaftsverhältnisse von Tieren und Pflanzen, Mikroben und sogar Viren anhand der Ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit ihres molekular kodierten genetischen Materials: eine seit der epochalen, anfangs höchst umstrittenen Arbeit von Walter Fitch in hunderten von Beiträgen studierte Thematik.

Schon in den 70er Jahren stellte sich dabei heraus, dass Schimpansen dem Menschen näher verwandt sind als den Gorillas und die Pilze den Tieren näher als den Pflanzen. Das für solche Untersuchungen benötigte Material, die DNS-Sequenzen unserer Gene, steht heute in riesigen biomolekularen Datenbanken zur Verfügung. Die zu deren Analyse benötigten Verfahren wurden seit 1967 immer weiter verbessert und verfeinert.

Auf Seiten der Mathematik ist dabei ein eigenständiges Forschungsgebiet entstanden, die „phylogenetische Kombinatorik“. Deren Thematik zieht auch etablierte Mathematiker anderer Fachrichtungen mehr und mehr in ihren Bann. So auch Prof. Alex Grossmann aus Paris – seinerzeit, zusammen mit Jean Morlet, Erfinder der Wavelet-Theorie. Grossmann arbeitet seit gut fünf Jahren an der Analyse genetischer Daten und wird einen Vortrag über „Die Mutabilität von Aminosäuren als phylogentischer Marker“ halten. Es geht hierbei um die Frage, ob es Tiergruppen-spezifische „Vorlieben“ für den Einbau bestimmter Aminosäuren in die von diesen benötigten Proteine gibt.

Auf dem Workshop werden jedoch nicht nur theoretische Ansätze, sondern auch konkrete Anwendungen diskutiert, wie

  • die Verwandschaftsbeziehungen zwischen Wirbeltieren, Insekten, Muscheln, Würmern und anderen Tiergruppen,
  • die Entstehung der „Eukaryonten“ – d.h. der Pflanzen und Tiere - aus bakteriellen Vorläufern,
  • die Co-Evolution von Parasiten und deren Wirtsorganismen.

Doch Evolution ist keineswegs auf Lebewesen begrenzt. Linguisten wie Prof. Bernard Comrie vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie werden die Anwendbarkeit der von den „Phylogenetikern“ ersonnenen Methoden auf die „Evolution der Sprachen“ debattieren. Ein Programmpunkt widmet sich speziell der Entstehung der polynesischen Sprachen.

 

09.03.2017, 15:20