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Pressemeldung 2/2006

Mathematik ist überall - 10 Jahre mathematisch-naturwissenschaftliche Forschung in Leipzig

Leipzig, 28. September 2006: Das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften blickt im Oktober auf 10 Jahre Institutsgeschichte zurück. Die Forschungseinrichtung gehört heute zu den führenden mathematischen Instituten der Welt und hat sich, insbesondere durch seine enge Zusammenarbeit mit der Universität, als zentraler Baustein der Leipziger Wissenschaftslandschaft etabliert.

Die Gäste des Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI) sind zunächst beeindruckt von dem altehrwürdigen Gebäude des Reclam-Hauses, dem Sitz des relativ jungen Instituts. Doch hinter dem typisch sächsischen Klinkerbau verbirgt sich eine Welt, die internationaler nicht sein kann. Hier treffen sich Forscherinnen und Forscher verschiedenster Nationalitäten und unterschiedlichster Fachrichtungen, die eines gemeinsam haben: die Arbeit an der mathematischen Grundlagenforschung mit speziellem Fokus auf die Interaktion von Mathematik und Naturwissenschaften.

Seit seiner Gründung im Jahr 1996 hat das Institut eine rasante Entwicklung genommen. Startete Gründungsdirektor Prof. Eberhard Zeidler mit 15 Mitarbeitern, 41 Gastwissenschaftlern und 6 Doktoranden und Studenten, so konnte das MPI allein im vergangenen Jahr 26 Mitarbeiter, 89 Gastwissenschaftler mit einer Aufenthaltsdauer von über 6 Monaten, 65 Doktoranden und Studenten sowie 258 kurzfristige Gastwissenschaftler zählen, die es aus China, den USA, Italien, Russland, Indien, Polen, Frankreich und zahlreichen anderen Ländern der Welt nach Leipzig zog.

Prof. Stefan Müller, geschäftsführender Direktor des Instituts, ist sehr stolz auf diese Entwicklung: „Unser Institut bietet exzellente Arbeitsbedingungen für die besten Wissenschaftler aus aller Welt. Unsere Nachwuchswissenschaftler haben hier die Möglichkeit, frühzeitig mit den führenden Experten zusammenzuarbeiten und durch Austausch mit anderen ihr individuelles und häufig stark interdisziplinäres Forschungsprofil zu entwickeln.“

Mit seiner Forschungstätigkeit stellt sich das Institut den mathematischen Herausforderungen, die durch theoretische Fragen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften entstehen, so in Physik, Biologie und Materialwissenschaften. Die Erfahrung hat gezeigt, dass große Fortschritte sowohl durch Auseinandersetzung mit konkreten Fragen der Naturwissenschaften entstanden sind als auch durch die motivierte Suche nach tief greifenden mathematischen Strukturen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht daher ein breites Spektrum von Fragestellungen der reinen und angewandten Mathematik mit Schwerpunkten in der Analysis, Geometrie, Mathematischen Physik, Mathematischen Biologie und Wissenschaftlichem Rechnen.

„Wissenschaftler finden hier ideale Bedingungen, sich in neue Gebiete einzuarbeiten“, so Stefan Müller. „Mathematiker können neue Anwendungen der Mathematik aus erster Hand kennen lernen und Naturwissenschaftler können sich im engen persönlichen Austausch mit neuen mathematischen Methoden und Strukturen vertraut machen. Dies wird ermöglich durch eine sehr flexible Struktur, bei der wir bewusst auf permanent angestellte wissenschaftliche Mitarbeiter verzichten.“

Das umfangreiche Gästeprogramm liefert dem Institut stets neue Ideen und Impulse und ermöglicht es zudem, gezielt Experten zu wichtigen Themen nach Leipzig zu holen. Für Stefan Müller hat die Internationalität einen hohen Stellenwert: „Unser Institut hat sehr rasch einen intensiven Austausch mit anderen internationalen Zentren wie dem IHES in Paris, dem Courant Institute in New York, dem Santa Fe Institute und dem Caltech entwickelt.“

Die exzellente Verbindung zu China wurde im vergangenen Jahr entscheidend intensiviert durch die Gründung des „Partner Institute for Computational and Theoretical Biology“ in Shanghai, welches einen Höhepunkt in der 30jährigen Zusammenarbeit von Max-Planck-Gesellschaft und Chinesischer Akademie der Wissenschaften darstellt.

In Kooperation mit den Fakultäten für Mathematik und Informatik sowie für Physik und Geowissenschaften der Universität Leipzig wurde im Januar 2005 die International Max Planck Research School für Mathematik in den Naturwissenschaften (IMPRS) gegründet. Die IMPRS baut die sehr guten Beziehungen des Instituts zur Universität weiter aus und hat schon heute eine Vielzahl ausländischer Studenten nach Leipzig gelockt.

Das Profil des MPI prägen zahlreiche Aktivitäten und Kooperationen auf regionalem, nationalem und internationalem Gebiet. Die Arbeit in DFG- Programmen und Graduiertenkollegs sowie die Einbindung in Netzwerke, wie das Europäische MULTIMAT, sind untrennbar mit der Forschung vor Ort verbunden. Die Direktoren Prof. Jürgen Jost und Prof. Wolfgang Hackbusch und Forschungsgruppenleiterin Dr. Angela Stevens spielen eine entscheidende Rolle im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Interneuro“ an der Medizinischen Fakultät der Uni Leipzig. Im aufstrebenden Forschungsbereich der Bioinformatik engagiert sich das MPI durch seine enge Interaktion mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik IZBI und Kooperationen mit dem Biotechnologisch- biomedizinischen Zentrum in Leipzig.

Durch gezielte Ausrichtung auf die genannten Forschungsfelder hat das Institut sowohl die Leipziger Wissenschaftslandschaft geprägt als auch ein sehr aktives Umfeld für Forschung und Lehre geschaffen. Die Attraktivität des Standorts zeigt sich auch an einer Reihe von Humboldt-Preisträgern, die einen Großteil ihres Forschungsaufenthaltes am MPI verbrachten, so die Professoren Bill Atchley aus North Carolina (Fachbereich Genetik), Hans Othmer aus Minneapolis (Mathematische Zellbiologie), Roman Kotecky aus Prag (Statistische Physik), Michael Ortiz vom Caltech (Rechnergestützte Materialwissenschaften), Juan Velazques aus Madrid (Analysis und Mathematische Biologie) und Richard D. James aus Minneapolis (Materialwissenschaften).

Zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften und attraktive Rufe der Wissenschaftler an renommierte Einrichtungen weltweit sprechen für die  Forschungsqualität. Seit 1996 haben allein 13 ehemalige Mitarbeiter des MPI Rufe auf Professorenstellen in Deutschland angenommen, sowie mehr als 40 weitere angesehene Stellen im Ausland.

Viele Wissenschaftler kommen gerne zurück ans MPI, sei als es als Gastwissenschaftler oder in längerfristiger Intention. So auch Forschungsgruppenleiter Dr. Nihat Ay, den es nach seiner wissenschaftlichen Arbeit am MPI nach Japan und die USA zog und der heute die Forschungsgruppe „Informationstheorie kognitiver Systeme“ leitet. Er bringt die Arbeitsbedingungen auf den Punkt: „Zu den optimalen Rahmenbedingungen des Instituts gehört nicht nur die Bereitstellung finanzieller Mittel für internationale Kooperationen, sondern auch die hohe Kompetenz im administrativen Bereich und die kreative Atmosphäre, die bei wissenschaftlichen Diskussionen vorherrscht.“


Festvortrag

Montag, 02. 10. 2006, 14.00 Uhr
Hörsaal G10, Inselstraße 22

Prof. Richard D. James:
New materials from mathematics: real and imagined

Am 02. Oktober, dem Tag der offiziellen Eröffnung vor 10 Jahren wird Prof. Richard D. James von der University of Minnesota einen Festvortrag halten. Prof. James ist einer der Pioniere in der Anwendung mathematischer Methoden für das Verständnis von Materialien und die Entwicklung neuer Materialien mit ungewöhnlichen Eigenschaften. In seinem Vortrag wird er einen Überblick über seine Forschung geben, die von Gedächtnismaterialien bis zu kleinsten biologischen Maschinen, wie sie zum Beispiel Viren benutzen, reicht.

Interessierte Zuhörer sind herzlich willkommen.

09.03.2017, 15:59